Olympia#3: Ein Lernender in der Olympia-Pipe!

Mischa Zürcher schrieb in diesem Winter das wortwörtlich jüngste Olympia-Märchen. Nach einer brillanten Leistungssteigerung und einer grossartigen Lernkurve verdiente sich der erst 17-jährige Freestyle-Snowboarder die Olympia-Selektion.

Der Appenzeller bereite sich wie viele andere Olympians in Laax am Crap Sogn Gion vor. Auf der legendären, weltgrössten Superpipe feilte der Lernende der 23er-Klasse bis wenige Tage vor seinen Qualifikationsruns an seinen Rotationen – und konnte sich überdies von den zahlreichen Weltklasse-Athleten inspirieren lassen. Als «Goodie» durfte Mischa wie die anderen Schweizer vom Heimvorteil zehren. Anstatt nach den zahlreichen Runs mittels Lift wie alle anderen auf den Bergrücken zurück zu gelangen, wurden die Schweizer durch einen Schneetöff-Eskorte kräfte- und vorallem zeitsparend nach oben chauffiert.  

Zum letzten Trainingsblock im Freestyle-Mekka gehörte auch, dass sich Mischa und Co. auf das Olympia-Setting einstellten. Die Wettkämpfe in Cortina waren als Abend-Veranstaltungen angesetzt, entsprechend passte Mischa seinen Tagesrhythmus an. Abgesehen von der ohnehin gänzlich unbekannten Olympia-Pipe verlangten auch die Night-Events Körper und Geist einiges ab. «Die Energie den ganzen Tag aufrecht zu halten, sein Optimum erst im nächtlichen Scheinwerferlicht abzurufen, war eine Herausforderung», blickt Mischa zurück.

In dieser Saison startete Mischa auf geradezu ungeheuerliche Weise durch. Feierte das «Team-Küken» der Schweizer Delegation erst im Vorjahr sein Weltcup-Debüt, überzeugte der Ostschweizer Konkurrenz und Juroren diesen Dezember und Januar mehrfach an brillant besetzten Anlässen. Mischa relativiert und zeigt sich gleichzeitig reif und lernwillig: «Es ist schon faszinierend, all den Top-Athleten über die Schulter zu schauen. Gerade die Japaner zeigen Tricks in brutalen Schwierigkeitsgraden und riesigen Höhen. Die trainieren und fighten wie die Samurais.» So seien die japanischen Snowboarder am Morgen die Ersten am Berg und kehrten abends als Letzte zurück ins Tal.

Der Ausgang des Pipe-Final bestätigte dann auch die Szene-Kenner. Unter den Top7 reihten sich die vier gestarteten Japaner, Europäer schafften es keine in den Final der Top12. Auch Mischa blieb in der Qualifikation hängen. Nach einem guten Start in seinen ersten Run stürzte der UNITED-Lernende und schaffte auch im zweiten Anlauf keine Verbesserung. Ihm blieb nebst enormem Zuspruch der 22. Schlussrang und die Gewissheit, erst am Anfang einer möglicherweise fantastischen Karriere zu stehen.

Wir gratulieren Mischa zum spektakulären Olympia-Auftritt und freuen uns auf das Wiedersehen im Klassenzimmer! (16.2.2026)